Die Seite wurde neu angelegt: „'''Homosexuelle Handlungen''' sind '''im Kosovo''' legal, bei einem einheitlichen Schutzalter von 16 Jahren.<ref>http://www.assembly-kosova…“
'''[[Homosexualität|Homosexuelle]] Handlungen''' sind '''im Kosovo''' legal, bei einem einheitlichen Schutzalter von 16 Jahren.<ref>http://www.assembly-kosova.org/common/docs/ligjet/Criminal%20Code.pdf#page=115 Criminal Code of the Republic of Kosovo, S. 115</ref> Zwar gibt es im Kosovo seit 2004 umfassende Antidiskriminierungsgesetze, dennoch wird Homosexualität im Kosovo gesellschaftlich überwiegend tabuisiert. Dafür sorgt der starke Einfluss der vorherrschenden abrahamitischen Religionen, zu denen neben dem sunnitischen Islam auch die serbisch-orthodoxe und die römisch-katholische Kirche gehören. Eine vollständige rechtliche Gleichstellung besteht nicht.
== Rechtlicher Status homosexueller Handlungen in der Geschichte des Kosovo ==
=== Kosovo als Teil des Osmanischen Reiches ===
Im Jahr 1858 legalisierten die im Osmanischen Reich einschließlich des Vilâyet Kosovo herrschenden muslimischen Osmanen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen, die bis zu diesem Zeitpunkt strafbar waren.
:''→ Zur weiteren Entwicklung der Homosexualität im Osmanischen Reich siehe [[Homosexualität in der Türkei]]''
=== Kosovo als Teil des Königreichs Serbien ===
Gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr blieb auch im Königreich Serbien einschließlich des Kosovo legal.<ref>[https://books.google.com/books?id=9d23AwAAQBAJ&pg=PA158&lpg=PA158&dq=serbia+1929+homosexuality&source=bl&ots=arBOgXEBIY&sig=rsXGJKlYD5QZHw73YB4zGQMAKxQ&hl=en&sa=X&ei=kF38VMSnLYeyyAS_lIKoAQ&ved=0CDMQ6AEwAw#v=onepage&q=serbia%201929%20homosexuality&f=false Adolescence, Sexuality, and the Criminal Law: Multidisciplinary Perspectives]</ref>
=== Kosovo als Teil Jugoslawiens ===
Das Königreich Jugoslawien verbot 1929 den Analverkehr zwischen Männern als „Unzucht gegen die natürliche Ordnung“; die 1945 ausgerufene kommunistische Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien behielt das Verbot vorerst bei. Das Kosovo war zu dieser Zeit eine autonome Provinz der Sozialistischen Republik Serbien innerhalb Jugoslawiens. Der regierende Bund der Kommunisten Jugoslawiens reduzierte 1959 die Höchststrafe von zwei Jahren auf ein Jahr Freiheitsstrafe.
Zu Beginn der 1990er Jahre verlor die jugoslawische Gesetzgebung in Slowenien, Kroatien, Mazedonien (jeweils 1991) sowie Bosnien und Herzegowina (1992) durch den Unabhängigkeit der betreffenden Staaten ihre Gültigkeit.
:''→ Zur weiteren Entwicklung dort siehe [[Homosexualität in Slowenien]], [[Homosexualität in Kroatien|Kroatien]], [[Homosexualität in Mazedonien|Nordmazedonien]] oder [[Homosexualität in Bosnien und Herzegowina|Bosnien und Herzegowina]]''
Im Jahr 1994 wurde das Verbot des Geschlechtsverkehrs zwischen Männern im übrigen, nur noch aus Serbien und Montenegro bestehenden Jugoslawien aufgehoben.<ref name="books.google.com">[https://books.google.com/books?id=GlbAmn_cajYC&pg=PA339&lpg=PA339&dq=Vojvodina+homsexuality+legal+1978&source=bl&ots=cejK6OnYTo&sig=w5_zmMGkhnc1aHP9v0EK5RICooo&hl=en&sa=X&ei=Emf8VIOkBsGMyASRo4C4BA&ved=0CDwQ6AEwBQ#v=onepage&q=Vojvodina%20homsexuality%20legal%201978&f=false The Hidden Europe: What Eastern Europeans Can Teach Us]</ref>
=== Kosovo als autonome Provinz Serbiens in Restjugoslawien ===
Bei der Legalität blieb es im Kosovo auch während der Jugoslawienkriege (1991–1999), in der durch den Zerfall des Gesamtstaates entstandenen Bundesrepublik Jugoslawien und im nachfolgenden Staatenbund Serbien und Montenegro, dem das Kosovo zunächst als autonome Provinz Kosovo und Metochien innerhalb Serbiens angehörte.
2004 wurde der Eintritt der Sexualmündigkeit in Serbien und Montenegro einheitlich mit 14 Jahren, unabhängig vom Geschlecht und der sexuellen Orientierung, festgesetzt.
:''→ Zur weiteren Entwicklung seit den Unabhängigkeitserklärungen Montenegros und Serbiens 2006 siehe [[Homosexualität in Montenegro]] oder [[Homosexualität in Serbien|in Serbien]]''
=== Kosovo als unabhängige Republik ===
In der 2008 durch eine Unabhängigkeitserklärung ausgerufenen Republik Kosovo, die sich in diesem Jahr von Serbien abspaltete, galten die 2004 beschlossenen Regelungen zur sexuellen Selbstbestimmung Homosexueller weiter. Zumindest de facto, aus Sicht des kosovarischen Parlaments auch de jure, verlor die serbische Gesetzgebung zu diesem Zeitpunkt aber ihre Gültigkeit im Kosovo.
== Situation in der Gegenwart ==
Die Regierung des Kosovo hat nach der völkerrechtlich umstrittenen, faktisch vollzogenen Unabhängigkeit von Serbien die [[LGBT*Community ]]politisch unterstützt. Im späten Jahr 2013 wurde hierfür eine Koordinierungsgruppe der Regierung etabliert. Dies wurde von zahlreichen Politikern wie beispielsweise Hashim Thaçi, Isa Mustafa, Kadri Veseli, Petrit Selimi, Vlora Çitaku und Mimoza Kusari-Lila unterstützt.
=== Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen ===
Die Verfassung des Kosovo untersagt Diskriminierung aufgrund [[Sexuelle Orientierung|sexueller Orientierung]] und sagt aus, jeder „genieße das Recht zu heiraten und im Rahmen des Gesetzes eine Familie zu haben“. Im September 2014 erklärte der Präsident des kosovarischen Verfassungsgerichts, das Kosovo gestatte ''de jure'' die gleichgeschlechtliche Ehe. Aufgrund der gleichzeitigen Regierungskrise ist diese allerdings ''de facto'' undurchführbar.
=== Adoptionsrecht ===
Eine Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtlicher Paare - einschließlich der Stiefkindadoption - ist im Kosovo zur Zeit nicht möglich, jedoch können unverheiratete Einzelpersonen unabhängig von der sexuellen Orientierung Kinder adoptieren.
=== Schutz vor Diskriminierung ===
Artikel 24 der Verfassung des Kosovo untersagt die Diskriminierung von Menschen aus verschiedenen Gründen, darunter auch Homosexualität. Damit ist das Kosovo einer der wenigen europäischen Staaten, in denen der Schutz vor Diskriminierung wegen der [[Sexuelle Orientierung|sexuellen Orientierung]] Verfassungsrang genießt. Der Schutz vor Diskriminierung erstreckt sich unter anderem auf den Arbeitsmarkt, den Warenverkehr, das Dienstleistungsgewerbe, die soziale Sicherheit, die Bildung und den Anspruch auf Wohnraum. Das 2004 in Kraft getretene Antidiskriminierungsgesetz untersagt indirekte und direkte Diskriminierung durch Viktimisierung, Segregation oder Bedrohung.
=== Homosexualität in der Kultur ===
Nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation „Zentrum für soziale Emanzipation“ existierten mit Stand von 2007 im Kosovo keine eigenen Schwulenclubs. LGBT* werde weitgehend verborgen praktiziert, [[Coming-out|bekennend homosexuelle]] Prominente gebe es nicht. Allerdings fand und findet eine breite öffentliche Diskussion über die Thematik statt.<ref>[http://www.balkaninsight.com/en/article/lone-gay-bar-s-closure-leaves-kosovo-gays-bereft Lone Gay Bar’s Closure Leaves Kosovo Gays Bereft]</ref>
Obwohl bis dahin keine größeren LGBT*Veranstaltungen im Kosovo durchgeführt worden waren, beteiligten sich am 17. Mai 2014 mehrere bekannte Politiker und der britische Botschafter Ian Cliff sowie Mitglieder der Homosexuellenorganisationen QESh und CEL an einer großen Demonstration gegen [[Homophobie]] in der Hauptstadt Pristina. Die Vertretung wurde von der Vertretung der Europäischen Union und der kosovarischen Regierung selbst ausdrücklich begrüßt. Das Regierungsgebäude wurde in dieser Nacht mit einer großen [[Regenbogenfahne]] geschmückt.<!-- Zu Einzelnachweisen und -angaben siehe [[Kosovo#Religion]]. -->
== Einzelnachweise ==
<references />
[[Kategorie:LGBT*Community nach Land|K]]
== Rechtlicher Status homosexueller Handlungen in der Geschichte des Kosovo ==
=== Kosovo als Teil des Osmanischen Reiches ===
Im Jahr 1858 legalisierten die im Osmanischen Reich einschließlich des Vilâyet Kosovo herrschenden muslimischen Osmanen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen, die bis zu diesem Zeitpunkt strafbar waren.
:''→ Zur weiteren Entwicklung der Homosexualität im Osmanischen Reich siehe [[Homosexualität in der Türkei]]''
=== Kosovo als Teil des Königreichs Serbien ===
Gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr blieb auch im Königreich Serbien einschließlich des Kosovo legal.<ref>[https://books.google.com/books?id=9d23AwAAQBAJ&pg=PA158&lpg=PA158&dq=serbia+1929+homosexuality&source=bl&ots=arBOgXEBIY&sig=rsXGJKlYD5QZHw73YB4zGQMAKxQ&hl=en&sa=X&ei=kF38VMSnLYeyyAS_lIKoAQ&ved=0CDMQ6AEwAw#v=onepage&q=serbia%201929%20homosexuality&f=false Adolescence, Sexuality, and the Criminal Law: Multidisciplinary Perspectives]</ref>
=== Kosovo als Teil Jugoslawiens ===
Das Königreich Jugoslawien verbot 1929 den Analverkehr zwischen Männern als „Unzucht gegen die natürliche Ordnung“; die 1945 ausgerufene kommunistische Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien behielt das Verbot vorerst bei. Das Kosovo war zu dieser Zeit eine autonome Provinz der Sozialistischen Republik Serbien innerhalb Jugoslawiens. Der regierende Bund der Kommunisten Jugoslawiens reduzierte 1959 die Höchststrafe von zwei Jahren auf ein Jahr Freiheitsstrafe.
Zu Beginn der 1990er Jahre verlor die jugoslawische Gesetzgebung in Slowenien, Kroatien, Mazedonien (jeweils 1991) sowie Bosnien und Herzegowina (1992) durch den Unabhängigkeit der betreffenden Staaten ihre Gültigkeit.
:''→ Zur weiteren Entwicklung dort siehe [[Homosexualität in Slowenien]], [[Homosexualität in Kroatien|Kroatien]], [[Homosexualität in Mazedonien|Nordmazedonien]] oder [[Homosexualität in Bosnien und Herzegowina|Bosnien und Herzegowina]]''
Im Jahr 1994 wurde das Verbot des Geschlechtsverkehrs zwischen Männern im übrigen, nur noch aus Serbien und Montenegro bestehenden Jugoslawien aufgehoben.<ref name="books.google.com">[https://books.google.com/books?id=GlbAmn_cajYC&pg=PA339&lpg=PA339&dq=Vojvodina+homsexuality+legal+1978&source=bl&ots=cejK6OnYTo&sig=w5_zmMGkhnc1aHP9v0EK5RICooo&hl=en&sa=X&ei=Emf8VIOkBsGMyASRo4C4BA&ved=0CDwQ6AEwBQ#v=onepage&q=Vojvodina%20homsexuality%20legal%201978&f=false The Hidden Europe: What Eastern Europeans Can Teach Us]</ref>
=== Kosovo als autonome Provinz Serbiens in Restjugoslawien ===
Bei der Legalität blieb es im Kosovo auch während der Jugoslawienkriege (1991–1999), in der durch den Zerfall des Gesamtstaates entstandenen Bundesrepublik Jugoslawien und im nachfolgenden Staatenbund Serbien und Montenegro, dem das Kosovo zunächst als autonome Provinz Kosovo und Metochien innerhalb Serbiens angehörte.
2004 wurde der Eintritt der Sexualmündigkeit in Serbien und Montenegro einheitlich mit 14 Jahren, unabhängig vom Geschlecht und der sexuellen Orientierung, festgesetzt.
:''→ Zur weiteren Entwicklung seit den Unabhängigkeitserklärungen Montenegros und Serbiens 2006 siehe [[Homosexualität in Montenegro]] oder [[Homosexualität in Serbien|in Serbien]]''
=== Kosovo als unabhängige Republik ===
In der 2008 durch eine Unabhängigkeitserklärung ausgerufenen Republik Kosovo, die sich in diesem Jahr von Serbien abspaltete, galten die 2004 beschlossenen Regelungen zur sexuellen Selbstbestimmung Homosexueller weiter. Zumindest de facto, aus Sicht des kosovarischen Parlaments auch de jure, verlor die serbische Gesetzgebung zu diesem Zeitpunkt aber ihre Gültigkeit im Kosovo.
== Situation in der Gegenwart ==
Die Regierung des Kosovo hat nach der völkerrechtlich umstrittenen, faktisch vollzogenen Unabhängigkeit von Serbien die [[LGBT*Community ]]politisch unterstützt. Im späten Jahr 2013 wurde hierfür eine Koordinierungsgruppe der Regierung etabliert. Dies wurde von zahlreichen Politikern wie beispielsweise Hashim Thaçi, Isa Mustafa, Kadri Veseli, Petrit Selimi, Vlora Çitaku und Mimoza Kusari-Lila unterstützt.
=== Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen ===
Die Verfassung des Kosovo untersagt Diskriminierung aufgrund [[Sexuelle Orientierung|sexueller Orientierung]] und sagt aus, jeder „genieße das Recht zu heiraten und im Rahmen des Gesetzes eine Familie zu haben“. Im September 2014 erklärte der Präsident des kosovarischen Verfassungsgerichts, das Kosovo gestatte ''de jure'' die gleichgeschlechtliche Ehe. Aufgrund der gleichzeitigen Regierungskrise ist diese allerdings ''de facto'' undurchführbar.
=== Adoptionsrecht ===
Eine Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtlicher Paare - einschließlich der Stiefkindadoption - ist im Kosovo zur Zeit nicht möglich, jedoch können unverheiratete Einzelpersonen unabhängig von der sexuellen Orientierung Kinder adoptieren.
=== Schutz vor Diskriminierung ===
Artikel 24 der Verfassung des Kosovo untersagt die Diskriminierung von Menschen aus verschiedenen Gründen, darunter auch Homosexualität. Damit ist das Kosovo einer der wenigen europäischen Staaten, in denen der Schutz vor Diskriminierung wegen der [[Sexuelle Orientierung|sexuellen Orientierung]] Verfassungsrang genießt. Der Schutz vor Diskriminierung erstreckt sich unter anderem auf den Arbeitsmarkt, den Warenverkehr, das Dienstleistungsgewerbe, die soziale Sicherheit, die Bildung und den Anspruch auf Wohnraum. Das 2004 in Kraft getretene Antidiskriminierungsgesetz untersagt indirekte und direkte Diskriminierung durch Viktimisierung, Segregation oder Bedrohung.
=== Homosexualität in der Kultur ===
Nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation „Zentrum für soziale Emanzipation“ existierten mit Stand von 2007 im Kosovo keine eigenen Schwulenclubs. LGBT* werde weitgehend verborgen praktiziert, [[Coming-out|bekennend homosexuelle]] Prominente gebe es nicht. Allerdings fand und findet eine breite öffentliche Diskussion über die Thematik statt.<ref>[http://www.balkaninsight.com/en/article/lone-gay-bar-s-closure-leaves-kosovo-gays-bereft Lone Gay Bar’s Closure Leaves Kosovo Gays Bereft]</ref>
Obwohl bis dahin keine größeren LGBT*Veranstaltungen im Kosovo durchgeführt worden waren, beteiligten sich am 17. Mai 2014 mehrere bekannte Politiker und der britische Botschafter Ian Cliff sowie Mitglieder der Homosexuellenorganisationen QESh und CEL an einer großen Demonstration gegen [[Homophobie]] in der Hauptstadt Pristina. Die Vertretung wurde von der Vertretung der Europäischen Union und der kosovarischen Regierung selbst ausdrücklich begrüßt. Das Regierungsgebäude wurde in dieser Nacht mit einer großen [[Regenbogenfahne]] geschmückt.<!-- Zu Einzelnachweisen und -angaben siehe [[Kosovo#Religion]]. -->
== Einzelnachweise ==
<references />
[[Kategorie:LGBT*Community nach Land|K]]